Wie in jedem Jahr segelten wir auch in diesem Jahr mit der Familie auf dem Folkeboot, der FG 348, allerdings mit einer Ausnahme. Unsere Kinder Jykke und Frederik waren im Zeltlager, und somit hatte Thorges Freund Lasse die Chance, 1 Woche mit uns in der Dänischen Südsee zu segeln. Von Kiel Schilksee bei schlechtem Wetter und Wind von vorne (NNW 4 Windstärke) ging`s Richtung Maasholm, um Lasse an Bord zu nehmen. Überraschender Weise sichteten wir schon gleich in der Eckernförder Bucht einen Tümmler. In Maasholm angekommen, schnell noch eine Abschieds Curry Wurst mit Lasses Eltern und Bruder Tim. Damit war unsere Mannschaft dann komplett.
Mit schwankenden Brettern unter den Füßen, da hat man doch gut lachen. 5 Tage segeln, hurra!
Sonntag: 12.8.07
Maasholm Leinen los! um 11.14 Uhr, Sonne über alles. Mit 5 Knoten rauschen wir Richtung Ärö, Kurs NO. Unsere Planung ist, Freunde auf der kleinen Insel Hjorto zu besuchen. Plötzlich veränderte Windbedingungen, Flaute, motoren, Segel rauf, Segel runter, alte Dünung etc., lassen auch den eingefleischten Seglermagen mulmig werden. Endlich, um 18.15 Leinen fest in Söby auf der Insel Ärö. Wir haben uns ein dickes Eis verdient.
Montag: 13.8.07
Mit 4 frischen Schollen an Bord, geht’s weiter Richtung Hjortö. 2 Stunden segeln und auch diese Strecke ist geschafft. Das Fahrwasser im Svendborg Sund bringt uns eine gute Abwechslung. Der kleine Hafen auf Hjortö liegt einladend in der Mittagssonne, Kinder plantschen im Hafenbecken und wir suchen uns einen Liegeplatz mitten im Hafenbecken. Auf der kleinen, sehr urigen Inseln treffen wir unsere Freunde schnell, obwohl wir nicht angemeldet sind. Die badenden Kinder entpuppen sich als die befreundeten Kids, schnell sind Kontakte geknüpft, und die vier erobern die Insel per Fahrrad und zu Fuß. Es ist für die dänischen Kinder der letzte Ferientag, und das genießen wir noch einmal richtig bei einem gemütlichen Grillfest mit romantischem Sonnenuntergang. Auch ein Nachtangeln darf nicht fehlen: „Nachts beißen die Fische am besten“ weiß Lasse zu erzählen.

Dienstag: 14.8.07
Der Wetterbericht hat schlechtes Wetter vorhergesagt. Aber,der Himmel ist blau, 3 Windstärken aus Süd, etwas diesig. Aus unseren Erfahrungen wissen wir, daß das Wetter sich erst im Laufe des Tages verändern wird. So wird aus unserem Hafentag auf Hjortö nichts, und wir segeln Richtung Westen. 'Mal sehen, wie weit wir kommen. Die Seemannschaft an Bord ist inzwischen richtig gut, die tägliche Flaggenparade ist Hoheitsgebiet von Thorge und Lasse, das Auslaufmanöver klappt. Schnell trägt uns der Wind Richtung Alsen, kleine Flaute zwischen durch, dann aber wieder Wind, Welle natürlich, wir sitzen auf der Kante, auch nicht jeder. Niko und mir schmecken die vorbereiteten Butterbrote, die Jungs halten sich da zurück. Wir brauchen viel Sonnencreme. Wir runden die Südspitze Alsens, Gammel Pöl, abermals Flaute, wir liegen auf Legerwall, schnell den Motor an? Nein, wir haben Ergeiz, mit wenig Wind und optimaler Segeleinstellung vorwärts zu kommen. Das Thema Kartenkunde ist jetzt genau richtig. "Wie lassen sich die Dreiecke auf der Seekarte noch zusammenlegen?" Wir meistern auch diese Situation. Kurz nach 17 Uhr erreichen wir den Hafen Hörup Hav. Die Portion überbackene Nudeln kann heut nicht groß genug sein, und der Spaziergang tut danach gut. Mirabellen naschender Weise bläst uns der Wind inzwischen aus SSO mit Stärke 5 direkt ins Gesicht. Nachts regnet es dann.
Mittwoch: 15.8.07
Hafentag in Hörup Hav - so ist unsere kollektive Meinung. D.h. jeder geht seiner Wege. Der Tag beginnt mit leckeren dän. Brötchen, dän. Leberpastete und kl. Gürkchen. Thorge und Lasse erobern den Wald mit einem reißenden Bach darin, wir lesen uns durch unsere Bücher, Karten werden gespielt (Wizard, 6 nimmt). Urgemütlich, denn inzwischen pfeift der Wind nur so über uns herüber mit gelegentlichen Regenschauern.
Aber unsere Proviantlage will unseren Gelüsten angemessen sein, und so müssen wir in den Supermarkt. Der dortige Wetterbericht per PC verheißt für den morgigen Tag nichts Gutes. In unserer Mannschaftsbesprechung kommen wir zu dem Entschluss: "Wir segeln jetzt noch die 10 sm nach Gelting Hafen". Schnell ist alles aufgeklart, an den Dalben entlang wird Schwung genommen und es geht mit halbem Wind aus dem Hafen, ohne Motor natürlich. Draußen begrüßt uns der frischen Wind aus S, die Sonne scheint, wir müssen bis zur Huk kreuzen, liegen dann hoch am Wind Gelting an. 1.20 m hohe Wellen, Schaumkronen, wir alle in Ölzeug bei guter Laune, jeder auf seiner Position, und wir reiten wie auf einem Rodeo Ritt über die Flensburger Förde. Unsere Berechnungen gehen auf: „Es wir heftig, aber wir schaffen es – gemeinsam!“ Der Wind ist inzwischen auf gute 5 Bft angestiegen. Kaum im Hafen, geht alles sehr schnell. Das Boot wird aufgeklart, die "Kuchenbude" festgemacht. Und kaum ist das Essen auf dem neu konzipiertem Tisch, prasselt der Regen nur so auf uns hernieder, und der Wind ist plötzlich weg. "Timing" nennen wir es.
Donnerstag: 16.8.07
Gelting Hafen, Unser Törn ist zu Ende. Uns bleibt noch ein letztes gutes Frühstück, auch die spannenden Bücher dürfen nicht fehlen. In der Luft liegt ein Gefühl von Abschied nehmen und "wir würden gerne noch weiter segeln", aber die Aussicht auf eine Woche Friedrichstadt mit Opti-Training ist natürlich auch verlockend. So klaren wir auf, schießen Abschiedfotos mit einem dicken Eis in der Hand und erwarten Lasses Eltern. Resümee: ein toller Segeltörn geht zu Ende, wir hatten viel Wind, viel Sonne und auch Regen, aber immer die richtige Entscheidung getroffen. Und unsere Mannschaft ist klasse. So fällt uns unser Versprechen leicht, so einen Törn mal wieder zu machen.

Geschrieben von Betina Bewarder, SCPr, im Herbst 2007
Niko von Bosse, Thorge Bewarder, Lasse Helgenberger, Betina Bewarder
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Vom Frust und Sonnenschein
Donnerstag 05. Juli: Gerade haben Ina und ich die Kinder zur Kinderbetreuung gebracht, jetzt sind mein Weib und meine Schwiegermutter mit einem Schwung dreckiger Kinderklamotten zur Waschmaschine unterwegs. Es regnet in Strömen, Lufttemperatur 15° C, Wasser 17°. Leicht frustriert sitze ich in unserem Appartement der Wasserferienwelt und blicke auf Vilm, die ehemalige Parteibonzeninsel. Das mitgenommene Folkeboot von Opa Klausi zerrt bei heftigen Schauerböen an den Leinen und hat eigentlich momentan nur einen Sinn: Regensammler!
Wie war das? Wer einmal nach Rügen kommt, will nirgendwo anders mehr Urlaub machen; so steht es im Merian-Heft über die Insel… Da denke ich doch lieber drei Wochen zurück, an einen schönen Kurztrip mit meinem Folkeboot. Statt einer Woche Regen hatten wir sieben Tage schönsten Sonnenschein, Flaute statt Sturm und dänischen Frohsinn statt muffeliger Rüganer. Aber erstmal von vorn:
Nach problemloser Trailerei kranen wir am Mittwochmorgen bei Henningsen und Steckmest in Kappeln an der Schlei ein, stellen die Segelstange, holen zollfreie Zigaretten und Spirituosen und schon sind wir auf dem Weg. Der neue 4PS-Viertakter von Mercury schiebt uns aus der Schlei, während Peter und ich uns dick mit Sonnenschmatze einschmieren. Der Stern brennt gnadenlos vom Himmel und lässt den hinter Schleimünde zubereiteten Mount Gay-Cola schnell seine Wirkung tun. Da man auf einem Bein schlecht stehen kann, gibt es zur Gulaschsuppe aus der Dose gleich noch einen. Noch immer brummt der Außenborder, entweder kein Wind oder Fast-Flaute aus Nordost, genau da wollen wir aber hin. Querab der Nordspitze von Ärö gibt es endlich ein bisschen Wind. Hoch am Wind können wir so Avernakö anliegen.
Vor dem Hafen sollen eigentlich zwei grüne Tonnen liegen, die den Weg in den idyllischen Hafen weisen. Wir sehen im Gegenlicht der schon tief stehenden Sonne leider nur eine. Nur unter Groß halten wir trotzdem auf den Hafen zu. Rumms, wir sitzen bombenfest auf hartem Sand. Trotz Kränken und Außenborder Vollgas rückwärts keine Chance. Selbst aussteigen und schieben hilft nicht!
Zum Glück kommt ein etwas hausbacken wirkendes Stahlschiff aus Kiel und wirft uns an einer Schwimmweste eine dicke Schleppleine herüber. Die kräftige Maschine unseres Retters befreit uns im Nu aus der misslichen Lage. Zur Belohnung laden wir die Crew zu einem kleinen Umtrunk in unser Cockpit. Es wird ein recht lustiger Abend, der allerdings schon früh zu Ende ist. Die ersten drei Schachteln Prince Denmark, eine Flasche Mount Gay und eine halbe Flasche Gin sind lenz, das reicht auch fürs Erste.
Am nächsten Morgen weht der Wind mit 2 - 3 Bft aus ENE, wieder genau auf den Kopf. Also Segel hoch und Kreuz in den Svendborgsund. In Troense belohnen wir uns mit einem dicken Eis für rund 40 Wenden im engen Teil des Sundes, laufen dann aber schnell wieder nach Svendborg zurück, wo wir im Stadthafen einen schönen Liegeplatz unweit von Bendixen's Fischbude ergattern. Die eigene Küche bleibt heute kalt, es gibt Schollenfilets mit Pommes und reichlich Remoulade vom Fischhöker.
Freitagmittag sollen sich in Svendborg viele Holzwürmer zu einer vom Freundeskreis Klassischer Yachten (FKY) organisierten Sternfahrt treffen, dafür wurde die gesamte nördliche Pier im Stadthafen gesperrt bzw. reserviert. Wir verholen deshalb schon am frühen Morgen in diesen Bereich, damit wir auf jeden Fall noch eine Steckdose für unseren schwarzen Festmacher finden. Bis Mittag haben wir erst einen Nachbarn, das sieht nach einer eher trüben Party aus. Glücklicherweise gibt es am Nachmittag eine Besichtigung auf der Ring-Andersen-Werft, die für etwas Kurzweil sorgt. Bis zum Abend sind zwölf Boote eingelaufen, die Crews verteilen sich über ein paar Boote zu kleineren Bordparties. Wir haben Glück, Eike und Britta, die beiden einzigen Damen unter 40 sitzen bei uns auf dem Boot und tragen mächtig zur Leichterung unserer Bacardi-Vorräte bei. Es hätte noch ein netter Urlaubsflirt werden können, wenn da nicht Horst, der Papi von Britta ins Spiel gekommen wäre. Er amüsiert sich köstlich über die Songs von Matrose/Segelmacher Frank Schönfeld und trinkt mir meinen guten Whisky weg. Um halb zwei schließt die Bar, schließlich haben wir noch ein paar Tage vor der Brust.
Für Samstag steht eine weitere Werftbesichtigung an, diesmal bei der berühmten Walstedt-Werft im Thurö-Bund. Walstedt genießt einen exzellenten Ruf für die Restaurierung von Holzyachten. Auch etliche Folkeboote - unter anderem Haymo Jepsens "Sundari" - wurden hier grundüberholt. An der Pier liegen ein top-restaurierter Zwölfer und die "AR" von Tom Nitsch, dem bekannten Segelfilmemacher. Tom sitzt im Cockpit und liest gemütlich die Zeitung, als der von Sonja Walstedt geführte Tross von Schaulustigen vorbeiflaniert. Es wird viel gefachsimpelt, das Kernthema ist immer wieder - welcher Lack bei welchen Temperaturen und ob und wie verdünnt. Walstedt empfiehlt RYLARD, einen italienischen Einkomponenten-Lack, der "so ist, wie Epifanes mal war"…
Nach einem kurzen Bad im Thuröbund machen wir uns auf den Rückweg nach Svendborg, wieder mit Horst im Schlepp, der auf seine beiden Mädels aufpasst. Auch er geht baden, hat aber wohl nicht bedacht, dass es nicht ganz einfach ist mit mindestens hundertzwanzig Kilos und ohne richtige Badeleiter wieder an Bord zu kommen. Mit einem an den Traveller geknoteten großen Palstek und Hilfe von Britta und mir kommt er dann doch irgendwie wieder aufs Boot.
Der am Abend empfangene DWD-Wetterbericht verspricht für Sonntag umlaufende Wind bzw. ganz leichten Nordost, deshalb beschließen wir um 22:00 Uhr auszulaufen um wenigstens noch ein paar Meilen mit der Abendbrise nach Norden zu segeln. Wir schaffen es nur bis Lundeborg und selbst bei diesem Kurztrip muss der Außenborder noch mithelfen.
Am nächsten Morgen erdrückt uns die Hitze schon um halb acht. Schnell laufen wir aus und frühstücken im Cockpit, kein Problem, wenn der Jockel läuft. Zum Glück haben wir einen vergleichsweise leisen Viertakter gekauft, der mit einem Verbrauch von unter einem Liter in der Stunde bei fünf Knoten Fahrt außerdem noch sehr sparsam ist. So motoren wir Stunde um Stunde und passieren erst die Brücke über den Großen Belt, dann Kerteminde, die Nordspitze von Fyn, Ballen auf Samsö, um schließlich in Langör auf Samsö festzumachen. In der Bucht kurz vor dem Hafen binden wir ‚Ultima Ration’ an einer dicken gelben Tonne an und nehmen ein herrlich erfrischendes und ausgiebiges Bad im nun schon 21° C warmen Ostseewasser.
In Langör hat die Saison noch nicht begonnen, selbst der Hafenkiosk ist noch im Winterschlaf. In dem sonst oft überfüllten besonders idyllischen Naturhafen gibt es freie Liegeplätze ohne Ende. Für Kurzweil sorgen einige brütende Seeschwalben direkt neben der Mole, die ihre Nistplätze unter vollem Einsatz verteidigen. Wütend stürzen sie sich im Sturzflug auf jeden Passanten und schrecken selbst vor dem Einsatz von C-Waffen nicht zurück. Peter hat jedenfalls einen dicken Vogelschiss auf dem Arm, als er am Toilettenhäuschen ankommt, eine herrliche Schmiererei. Da keine Möglichkeiten zum Frischproviantkauf bestehen, gibt es zur Abwechslung - wie schon auf Avernakö - mal wieder Bratkartoffeln. Zur besseren Verdauung machen wir noch einen kleinen Spaziergang am Wasser entlang und freuen uns an der fast unberührten Natur.
Auch der nächste Tag ist sonnig und flau, so langsam beginnt die Motoritis zu nerven. Hilft aber nichts, anders kommen wir nicht nach Arhus, dem eigentlichen Ziel dieser Reise. Unterwegs dorthin nehmen wir wieder ein Bad in der Ostsee, die hier unglaubliche 24° Wassertemperatur hat. Im Anschluss gibt es FKK an Deck, damit auch die sonst weißen Stellen mal Farbe bekommen. Pit wird beim Sonnenbad auf dem Vorschiff vom Schwell einer Katamaran-Schnellfähre, die uns in sehr knappen Abstand passiert, völlig überflutet. Diese Mistdinger sollten verboten werden!
In Arhus mieten wir uns erst einmal ein paar Fahrräder und erkundeten die Stadt. In der Fußgängerzone gibt es viel zu bestaunen, egal ob nette Geschäfte oder auch dänische Schönheiten in zum Teil recht schrillem Outfit. Als brave Seeleute widmen wir uns dann aber doch lieber der Kultur und besuchen das wunderschöne Freilichtmuseum "Gamle By", unweit der City. Hier wurden zirka sechzig alte Gebäude aus ganz Dänemark liebevoll grundsaniert und zu einer "hyggeligen" Kleinstadt im Stil des frühen 19. Jahrhunderts zusammengefügt. Man kann viele Werkstätten und Läden besichtigen, in denen zum Teil zeitgenössisch gearbeitet wird. Auf den Kopfsteinpflaster-Sträßchen fahren noch Kutschen und in den Hinterhöfen laufen glückliche Hühner und Gänse umher. Wenn nicht hinter der Stadtmauer ein paar Hochhäuser mit voll verglasten Fassaden stehen würden, könnte man wirklich die Zeit vergessen.
In einem australischen Steakhouse gönnen wir uns ein feistes Mahl. Auch wenn hier Steaks bis zu 2.000 Gramm (!!!) geboten werden, bleiben wir etwas bodenständiger und begnügen uns mit 300 bzw. 500 Gramm, auch das macht uns satt und träge. Zurück an Bord erfreut uns ein Absacker aus der Transitlast und die Freude über den für den nächsten Tag angesagten West bis Nordwest mit 4 bis 5 Bft.
Gut gelaunt stehen wir am nächsten Morgen auf, es pfeift tatsächlich aus West. Schnell machen wir uns auf den Weg in die City um dort zu frühstücken und um die Drahtesel wieder abzugeben. Gegen elf Uhr machen wir uns auf den Heimweg, Ziel Middelfart im kleinen Belt.
Mit südlichen Kursen und Rauschefahrt geht es zunächst raumschots aus der Arhusbucht. Da wir ab Hov höher ran müssen, stecken wir vorsichtshalber ein Reff ins Großsegel. Noch immer zeigt die Logge in den Böen sieben Knoten an, also schnell genug. Leider flaut der Wind schon wenig später deutlich ab und dreht auf West. Noch kommen wir mühelos mit einem Anlieger über die Flachs rund um Endelave. Querab Juelsminde flaut der Wind noch mehr ab und dreht weiter auf Südwest, schon wieder von vorn! Mühsam kreuzen wir gegen Wind und Strom in den kleinen Belt. Gegen 20:00 Uhr kommen wir ziemlich platt in Middelfart an. Wir finden einen Platz neben einem freundlichen Dänen und bauen zum ersten Mal die neue Kuchenbude auf, weil es nach Regen aussieht. Anschließend gehen wir in einem Café in der Nähe des Hafens zum Essen und genießen den wunderbaren Blick auf den Belt.
Die Langfristprognose des DWD verheißt für die nächsten Tage nicht viel Gutes. Wieder Winde auf den Kopf und zudem noch im Überfluss. Insbesondere am letzten geplanten Segeltag soll es mit Südost 8 - 9 richtig viel Wind aus der falschen Richtung geben. Nun ist eine Planänderung erforderlich. Statt in kürzeren Etappen und Abstecher nach Flensburg bis Samstag nach Kappeln zu segeln, wollen wir nun schon am Donnerstag - also übermorgen am Ziel sein.
Tapfer kreuzen wir am Mittwochmorgen bei schwachem Wind gen Westen und später nach Südwesten. Gerade als ich Pit beim Passieren des Aarösunds von den garstigen Windverhältnissen beim Goldpokal vor einigen Jahren erzähle, wird uns gleich eine ganze Herde junger Kühe ins Segel geworfen. Eine kräftige Schauerböe präsentiert uns gleich gute 6 Bft; verbunden mit einer leichten Rechtsdrehung des Windes entsteht innerhalb von wenigen Minuten eine kleine gemeine und chaotische Welle, die nicht zur aktuellen Windrichtung passt. Pit gibt sich alle Mühe, die kleinen Dinger so gut wie möglich auszusteuern, trotzdem kommt ab und an grünes Wasser über Deck und findet den Weg durchs Schiebeluk auf die Polster. Na klasse!
Der Regen hält bis zum Eingang in den Alsen Sund und spült unser Ölzeug kräftig mit Süßwasser. Danach reißt es auf und flaut ab. Trotzdem schaffen wir es noch bis Sonderburg, wo wir im Stadthafen an einer Comfortina längsseits gehen. Vor uns liegt ein Traditionssegler aus Kiel, dessen Crew auf der Pier gegrillt hat. Offensichtlich waren die Augen größer als die Mägen, jedenfalls werden die Jungs nicht allein mit ihren Fleischmassen fertig. So werden wir zum Mitessen eingeladen, also wieder keine Spaghetti Bolognese. Das in Middelfart gekaufte Hackfleisch wird deshalb zu Frikadellen verarbeitet.
Zum krönenden Abschluss des Tages lenzen wir die verbliebenen Reste aus unserer Transitlast und bauen das Heimkino unter der Kuchenbude auf. Es gibt James Bond in Dolby Surround über die Bordlautsprecher. Prima!
Am Donnerstag, unserem letzten Segeltag, kommt dann tatsächlich unser Drachen-Spinnaker aus dem Sack. Klasse Segel, doch leider dreht der Wind schon kurz nach dem Setzen so ungünstig, dass wir das Ding wieder bergen müssen. Aber wenigstens war die Anschaffung von neuen Blöcken, Schoten und Fall nicht völlig umsonst.
Als pflichtbewusste Bundesbürger setzen wir beim Eintreten in deutsche Hoheitsgewässer unseren Zollstander. Bei Schleimünde treffen wir prompt einen Zollkreuzer, der uns allerdings unbehelligt lässt. Auch der Zöllner in Kappeln wirft nur einen kurzen Blick in unser Anschreibebuch und entlässt uns ohne Kontrolle an Bord. So sind wir dann am frühen Nachmittag wieder bei Henningsen & Steckmest und bereiten uns auf das Auskranen vor.
Vor der Heimfahrt an die Möhne besichtigen wir noch ein von den Steckmest-Söhnen in liebevoller Kleinarbeit restauriertes Folkeboot aus den 50er-Jahren, das in den nächsten Tagen getauft wird. Es ist eine echte Augenweide und weitestgehend im Originalzustand.
Rückblickend hatten wir irrsinniges Glück mit dem Wetter, irre viel Spaß, aber dafür leider meistens keinen oder wenig passenden Wind. Trotzdem allemal besser als Rügen bei Regen. Vor meinem nächsten Urlaub auf Rügen werde ich wohl doch noch mal rund Fyn segeln, am liebsten wieder mit Peter, weil’s so entspannt ist.
Es grüßt vom verregneten Rügen
Kiki (F-GER 1033)

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Strande- Damp- Höruphav- Dyvig- Middelfart
Wochenlange akribische Planung, herrlicher Wind, tolles Wetter, endlich laufen wir mit "Habibi" aus der Strander Bucht aus und starten unsere lang ersehnte Tour Richtung Dänemark.
Wir, das sind Christoph, begeisterter Sunseeker- Fahrer und ich- zwar auf einem Folkeboot aufgewachsen, aber null Erfahrung im alleinigen Umgang mit dem Schiff.
Nach wochenlangem Training, Aufschiesser hier und da, von einem Hafen zum nächsten unter Motor, Mann- über- Bord Manöver etc, nun mussten wir das Ganze nur noch in die Tat umsetzen...
Fazit der Tages:
Ist der Segler früh dabei, bleibt er abends sorgenfrei.
Nach einer überraschend gemütlichen ersten Nacht (trotz oder gerade wegen getrennter Kojen?) und einem ausgedehnten Frühstück packte uns nach der Erkenntnis des Vorabends der Übermut, den Hafen vor allen anderen zu verlassen und dabei vor allem nicht den Motor zum Einsatz kommen zu lassen. So gut unser Manöver geklappt hatte, so sehr hatten wir an unserer nächsten Aktion zu beißen, die gleich doppelte Ladung für die nicht vorhandene erste Bewährungsprobe war: Bei recht kräftigem Südwind ist Christoph, mittlerweile zum Matrosen aufgestiegen, mit wachsamem Auge das etwas lockere Vorstag aufgefallen, welches sich durch einen gebrochenen Bolzen gelöst hatte. Bewährungsprobe für Mensch und Material auf Höhe Falshöft. Nach Abschluss der provisorischen Reparaturarbeiten gab es ein – Gott sei Dank- noch gekühltes, zollfreies Dosenbier zur Beruhigung der sehr aufgewühlten Gemüter.
Angekommen in Höruphav war ein kurzer Fußmarsch nach zwei Tagen 3- B- Ernährung (Bier- Bouletten- Brötchen) bei Wind und Welle nach Sonderburg eine willkommene Abwechslung. Leider entpuppten sich die gemessenen 6km als gefühlte 20km und die frisch eingetauschten Kronen wurden in eine Busfahrt zurück nach Höruphav investiert- aber wir sind ja schließlich auch zum Segeln gekommen und nicht zum Wandern!
Zurück am Boot fachsimpelt man unter Folkeboot Seglern über alles Mögliche, aber vor allen Dingen hilft man sich auch gegenseitig aus. Unser provisorisch reparierter Bolzen wurde fachmännisch repariert und hat für die restliche Fahrt sicher gehalten. An dieser Stelle ein großes Dankeschön nach Hamburg.
Fazit der Tages:
Mit Ruhe, Gelassenheit und dem seglerischen Zusammenhalt löst man jede Herausforderung.
Nach zwei Tagen erster gemeinsamer Seglererfahrung, gutem Timing und einer Portion Glück haben wir die Aalsensund- Brücke unter Segeln passiert- wer braucht schon einen Motor?!
Trotz Vorsprunges auf alle anderen Schiffe durfte der erste Matrose nicht ruhen und wurde ununterbrochen aufgefordert, Niederholer und Unterliek Millimeter genau zu justieren- man hat im Folkeboot schließlich einen Ruf zu verlieren!
Allein um unser nächstes Ziel Dyvig zu sehen lohnt es sich jedoch den Aalsensund hochzuarbeiten. Schon die 3m schmale Durchfahrt – ein Meter, wenn einem noch ein größeres Schiff entgegen kommt- signalisiert die Besonderheit des Hafens- allerdings wollen wir hier auch nicht zu viel verraten; diese Stimmung muss man wirklich auf dem eigenen Folkeboot erlebt haben. Es lohnt sich!!!
Fazit:
Insider Tipps sind immer noch die besten!
Den Lille-belt bei wunderschönem Wetter überquerten wir am nächsten Tag, ein wenig mehr Wind wäre wünschenswert gewesen- allerdings sind wir so endlich dazu gekommen, unseren Linseneintopf zu kochen und uns die Sonne auf den Pelz brennen zu lassen. So dümpelten wir langsam aber sicher Richtung Ärösund und mussten am Ende des Tages doch noch den künstlichen Antrieb hinzuziehen. Motor war halt doch keine so schlechte Idee.
Der Fährhafen auf Ärö ist schon an sich ein kleines Highlight- wobei klein hier betont werden muss, passt aber somit ganz gut zur Insel, die wir sogleich bei einer abendlichen Joggingtour umrundet haben.
Bei der Rückkehr zum Boot wurden wir mit einem norddeutschen „Moo-hoin“ von unseren Päckchen- Nachbarn aus Damp empfangen, die witzigerweise exakt dieselbe Strecke mit kleinen Abkürzungen wie wir gesegelt waren.
Unsere guten Vorsätze, auf die 3- B- Ernährung zu verzichten, wurden schnell über Bord geworfen und der Abend endete früh morgens mit einem Turnstück (Bewährungsprobe Nr. 3) von dem Hamburger Schiff.
Fazit:
Folkeboote liegen perfekt auf Steghöhe, um sich auch nach lustigen Seglerabenden nicht die Knochen zu brechen- und falls man doch fällt, landet man Dank der Schwerkraft ohnehin an Deck.
Auch wenn der erste Matrose nach harter Nacht noch gerne seine Koje gehütet hätte, bestand der Kapitän mal wieder darau,f das erste Boot auf der Piste zu sein. So ging es dann mit schneller Überfahrt nach Middelfart, wo wir endlich unsere Bouletten gegen einen ersten wohl verdienten Hotdog eintauschen konnten.
Den letzten Abend unseres ereignisreichen Kurztrips haben wir uns zwei saftige Steaks vom örtlichen Metzger auf unserem Zwei- hand- breiten Minigrill gegönnt und konnten uns mit letzter Kraft und unzähligen Verteidigungsmanövern gegen die Möwenschwärme bewähren, die ein Auge auf unser Abschlussessen geworfen hatten.
Wie in jedem Urlaub gingen die Tage unwahrscheinlich schnell rum, trotzdem hatten wir sehr viel Spaß auf dem VW- Käfer der Meere, wo noch ehrlich gesegelt und spartanisch gelebt wird, und bedanken uns an dieser Stelle noch einmal beim Eigner Egon für seinen Mut und sein Vertrauen.
Fazit der Woche:
Im kommenden Jahr mehr Zeit nehmen!
PS: Für alle, die sich fragen, warum unsere Tour im Norden endete und wir das Schiff nicht zurückgesegelt haben:
Natürlich haben wir "Habibi nicht im Stich gelassen. Wegen der schlechten Wetterbedingungen haben wir sie nach Kiel zurück getrailert.
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Wahre Sternstunden des Folkebootsegelns: Wie JUNA Chiemseesegler am Kalkgrund vom Folkeboot überzeugte.
von Vincent Büsch
Es gibt so (Segel-) Tage, an die denkt man zurück und denkt nur so: bähm!! Also wie soll man daraus einen Artikel schreiben?
Eigentlich hatte ich mich darauf eingestellt, den Sonntag über abwechelnd zu entspannen und mich darüber aufzuregen, dass mein Außenborder nicht funktionierte. Der querulantische Quirl meiner CARA hatte sich partout nicht starten lassen und so konnte ich nicht zur Sternfahrt nach Schleimünde aufbrechen, wo sich am Samstag Abend auf Einladung von Swantje mehrere Folkeboote zum gemütlichen Abend versammelt hatten.
Doch über WhatsApp erreicht mich Swantjes Anfrage: „Moin, moin … Ist ziemlich Druck in der Luft. Willst du spontan als No. 4 mit?“ No. 2 und No. 3 hatte ich schließlich angeheuert: Wiebke hatte ich dieses Jahr Ostern auf einem Rügentörn kennengelernt und sie war mit ihrer Freundin Christine aus Bayern angereist, um in Husum ihre Familie zu besuchen. Wenige Tage vorher hatte Wiebke mich gefragt, ob ich ihr am Wochenende zu einem Segeltrip auf der Ostsee verhelfen könnte und da hatte ich ihr die Nummer von Swantje gegeben. Aber vor Swantje und der JUNA lagen 30 Meilen bei 5 Bft. gegenan von der Lotseninsel nach Glückburg.
Ich also rein in die Segelklamotten, kurz noch Ölzeug für die Gäste von der CARA geholt und ab nach Maasholm, wo die Fähre zur Lotseninsel fuhr. Wiebke und Christine ließen sich von Wiebkes Eltern, die sich eigentlich auf einen Nachmittag bei Kaffee und Kuchen gefreut hatten, nach Kappeln bringen und um 12.30 waren wir startklar. Aber eine Kaffeetour erwartete uns nicht.
Swantje machte ihre Crew mit dem Boot bekannt. Wie werden die Segel gesetzt, was ist bei einem Langkieler zu beachten und wie stellt sie sich das Ablegemannöver vor. Wiebke und Christine segeln auf dem Chiemse mit Christines Dyas, haben aber beide auch Hochseeerfahrung auf Yachten. Sie freuten sich auf einen Törn bei stabilem Wind auf der Ostsee. Von den größeren Familienyachten blickten uns nicht nur große Kinderaugen an: Wie, die laufen aus? Die Fallen in dem kleinen Hafen auf der Lotseninsel pfiffen im Wind.
Der Wind kam aus Nordwest und da die JUNA mit dem Bug Richtung Schlei lag, wollten wir uns an den Dalben treiben lassen und unter Segeln auslaufen. Der Motor lief nur zur Sicherheit mit. Aber das Boot drohte, seitwärts in die Box zu drehen und so schob Swantje doch den Gang rein und wir setzten die Segel gleich hinter der Mole. Eine Halse und die JUNA fuhr aus der Schlei hinaus auf die offene See.
Wir gingen hart an den Wind und schon kam der Leuchtturm Falshöft in Sichtweite. Die ersten Spritzer, die ins Cockpit flogen, wurden noch mit launigen Kommentaren begrüßt. Da der Wind etwas westlich kam, konnten wir anfangs fast parallel zur Küste segeln, aber als wir wegen der nördlichen Böen zu weit auf die Ostsee raustrieben, wendeten wir. Christine saß an der Pinne und machte sich mit den Steuereigenschaften des Folkebootes vertraut. Ich hielt mich an der Fockschot fest und hatte den Eindruck, bei den größer werdenden Wellen waren meine 95 Kilo auf der Kante mittschiffs eine gute Investition. Wiebke packte die Käsestullen aus und Swantje behielt mit ihrem Hand-GPS die Navigation im Auge. „Liquid Sunshine“ nannte unsere Skipperin das, was auf auf uns zukam: Flüssigsonne. In diesem Jahr auch in Norddeutschland ein eher seltenes Phänomen. Bei den ersten Regentropfen guckten wir uns skeptisch an: Ein tolles Segelwetter hatten wir uns da ausgesucht. Als wir Falshöft querab hatten, zog sich der Regen zu einer dicken grauen Wand zu sammen. Die dänischen Inseln waren nicht mehr am Horiznot zu sehen. Das ist dann schon ein wenig unheimlich und hat so etwas von Nebel von Avalon, wenn man auf einmal gar nichts mehr sieht. Aber der Himmel klarte auf und weiter ging unsere Tour Richtung Flensburger Förde.
Swantje, die auch viel alleine segelt und das Revier im deutsch-dänischen Grenzgebiet gut kennt, hatte entschieden, das wir nicht zu früh Richtung Außenförde wenden sollten, sondern einen langen Schlag in die Sonderburger Bucht hinein machen sollten. Der Kalkgrund ist zwar tief genug, um mit 1,20 m Tiefnag darüber zu segeln, er ist aber flacher, als die umliegenden Gewässer. Bei viel Wind führt das dazu, das die Wellen steiler werden und auch brechen. Kein guter Untergrund für eine Segeltour. Auf der Strecke am Leuchtturm Kalkgrund vorbei Richtung Sonderburger Yachthafen wurde es richtig schön ungemütlich. JUNA lag auf der Seite, das Wasser rauschte in Lee die Scheuerleiste entlang. Der Wind hatte in Böen sechs Bft. erreicht und das Boot legte sich noch tiefer. Da galt es, immer eine Hand am Traveller zu haben, um den Druck aus dem Segel zu nehmen. Die Wellen hatten auch noch ein Wörtchen mitzureden. Sie hoben das Boot und setzen es ungefähr auf der Kursilinie wieder ab, sie klatschen gegen den Bug und durchspülten das Cockpit, so dass wir ab und zu mal die Bilge auslenzen mussten. Als ich am Steuer saß, konnte ich spüren, wie schwierig es ist , die Wellen richtig einzuschätzen, aber nach einer Weile ging es schon etwas besser von der Hand. Ich lernte die geschwungene Steuerbank der JUNA zu schätzen. Damit hat man einen super Halt für die Füße, wenn man an der Pinne sitzt. Buddahgleich ruhte mein Körpergewicht jetzt auf dem Oldmen‘s Seat. Aber gerade als es am Steuer gemütlich wurde, erwischte uns eine rießige Welle, die das Cockpit unter Wasser setzte. Bei dem Wetter bestraft der Kalkgrund jede Unachtsamkeit mit einer salzigen Dusche. Aber wir hatten uns auch schon an die Einschläge gewöhnt. Das Wasser der Ostsee hatte immer noch seine 22 Grad, ja, es war tatsächlich pisswarm, was da über die Bordkante schwappte.
Als ich wieder am Niedergang stand wollte ich mich um die Verpflegung der Damen kümmern, die vergnügt auf der Kante den Gewichtstrimm besorgten. Der salzige Geschmack im Mund ging mir so langsam auf den Senkel und in der Fallentaschen steckten Wasserflaschen. Just in dem Moment brach eine Welle ins Cockpit, die die drei ordentlich durchspülte. „Will noch jemand etwas Wasser?“ Fragte ich, unschuldig, wie es meine Art ist. „Danke, geht gerade“ und „eh, nein?“ kam als Antwort von oben.
Es war halt Folkebootsegeln im besten Sinne : Ein tolles Naturerlebnis.
- Details
von Bernd Miller, KLEINER BLAUPFEIL, F GER 998
Nicht nur der KLEINE BLAUPFEIL F-GER 998, auch der alte T4-Pritschenwagen läuft und läuft...und hat uns wieder vom Bodensee über alle Berge nach Grenåa gezogen – unser schon bewährter Ausgangshafen am Meer (s. „Schtoinersegeln“ in der FN 4/14 und 1/15).
Wir segeln mit Stopp in Anholt über das Kattegatt nach Schweden – durch die Schärengärten und teilweise bei hoher Welle übers offene Skagerrak bis nach Norwegen, aber für Oslo war die Urlaubszeit zu kurz. Zurück über die Koster-Inseln – das Highlight der Reise! - wieder durch die Schären und über Læsø nach Dänemark zurück. In diesmal leider nur 4 Wochen haben wir fast 500 sm geloggt, davon 3 Std. mit 3,5 PS und 3 Std. im Schlepp vom WASSERMANN, die Comfortina 32 unserer Freunde Norbert und Josefine, die am Bodensee mit der F- GER 635 dabei waren.
Nachfolgend wieder einzelne Auszüge aus dem Logbuch:
Sa 1. Juli Grenåa - Anholt
So 9. Juli Lilla Kornö - Havstenssund
Wir sind schon um 7:00 Uhr fit und machen Frühstück auf dem Steg vor dem Boot in der Sonne mit der senkrechten Felswand im Rücken. Dann werden Karten gewälzt und Ziele gesteckt: maximal die südliche Koster-Insel Ramsö - mit 2 Alternativen unterwegs. Weil es viel gegenan zu kreuzen gibt, setzten wir Vollzeug – bei angesagten 4 bis 5 (max 6) Bft. nach Norden abflauend sollte das kein Problem sein. Gleich um die Ecke wird klar: falsche Entscheidung!- oder doch die richtige, weil wir gegen die Nordseewelle z.T. Nur 3 Kn laufen? Als wir aus der Abdeckung der Schären ganz raus sind, türmen sich Wellenberge auf, die wir bis dahin noch nie mit dem Folkeboot erklommen haben. Wir gehen auf Halbwind und ich habe echt Muffe vor dem Querschlagen und Vollaufen, was aber Dank der genialen Konstruktion nicht passiert – nur ab und zu eine ordentliche Pütz in`s Boot. Ich kann den Blick auf die Felsformationen um Smögen gar nicht richtig genießen. Vor uns taucht immer wieder der 10 m kleine WASSERMANN zwischen den Wellenbergen auf – wie verloren muß da erst das Folke aussehen? Beim krampfhaften Versuch, den kleinen Ausschnitt auf dem Kartenplotter mit einer der zahlreichen, alle gleich aussehenden Seekarten - alles blau, zwischendurch große Felsen und „Stoiner“ - in Deckung zu bringen, verliere ich die Orientierung und mir wird saumäßig schlecht! Besser, ich halte die Pinne fest und Isolde navigiert. Wir haben das Tuch getrimmt, wie ein Brett – der Traveller ist in Lee am Anschlag. Hier darf man sich nicht vorstellen, dass irgedetwas kaputt geht. Der im Meer auf einem Felsen stehende,von der Brandung umspülte Leuchtturm „Väcker“ weist den Weg in den geschützten Havstensund. Wir ändern den Kurs und surfen jetzt regelmäßig mit über 10 kn auf den Walzen – die Kämme fangen an zu brechen. Im Inneren der Schären beruhigt sich die See, aber wir rasen immer noch mit einem Affenzahn in den Sund. In einem Kolk vor der Engstelle kringeln wir und bergen die Segel – der Außenborder läuft auf den 1. Zug. Wir legen uns ins Päckle an den WASSERMANN am Steg. Später kommt ein norwegischer Collin Archer von 1880 mit gebrochener Saling an den Steg. Sie haben tagelang eine Oldtimer-Regatta geführt und mussten aufgeben – Reparatur geht vor.
Am nächsten Morgen kommt kurz vor 8:00 Uhr die Bedienung vom Schiffsladen mit wehendem Haar und Zahnbürste im Mund mit Vollgas mit dem Außenborder um`s Eck geschossen – nur im Zenith der Steilkurve wird die Zahnreinigung kurz unterbrochen – just in Time!

Di 11. Juli – Strömstad - Skjaerhalden
Nachdem ich gestern Abend mit meinem seit der Studienzeit gehegten Reiseziel „per Boot nach Norwegen“ so kurz vor der Grenze alle Mitsegler überzeugen konnte, mussten wir neben dem üblichen Proviant Bunkern noch zwei Norwegische Gastlandsflaggen auftreiben....Draußen nähern wir uns einem unsichtbaren, bodenseetiefen Graben, der die Seegrenze zwischen Schweden und Norwegen bildet. Bei 58°58,5` nördlicher Breite kippt Isolde einen Schluck Sherry über Bord und ich setzte die Flagge. Von Norwegen haben wir nur sehr dürftige Hafenliteratur auftreiben können und wählen einen Ort am Ufer, wo der Plotter zumindest Stege anzeigt. Wegen der massenhaften „Stoiner“ und Untiefen segeln wir in einem großen Bogen den in der Karte vorgeschlagenen Leuchtturm- und Tonnenweg und finden nach der traumhaften Einfahrt die Marina „Skjaerhalden“ auf den Insel Kirköy mit vielen freien Plätzen. Wegen der erstmals auch nach unten gestaffelten Preise ist das Folkeboot heute nicht länger, als 7,5 m. Beim Stadt- bzw. Dorfbummel gibt`s megagroße „Eiskugler“ und wir finden einen tollen Aussichtsweg zum Leuchtturm. Dann gibt`s Bier, gebratenen Dorsch mit Pellkartoffel, Salat, Rotwein....
Mi 12. Juli – Skjaerhalden – Vettnet (Nord-Koster)
….Richtung Süden geht es nach nur 9 sm Rauschefahrt mit Rumpfgeschwindigkeit nach Nord-Koster. Die gesamte Inselgruppe ist ein Naturreservat. Bei der tagesfüllenden Wanderung von dem malerischen Fischerdorf Vettnet um die Insel bietet jeder Blick auf`s Meer völlig neuartige, andere Landschaftsbilder: Im Osten bewachsene Schilfbuchten, im Norden der Sandstrand mit den Felsformationen, im Westen die riesige eiszeitliche Endmoräne „Klapperstenfeld“. Auf dem Rückweg geht es durch einen Kiefernwald mit eigenartigen dickborkigen Birken und Eichen mit riesigen Blättern, bevor wir am Kostersundet in ein Touri-Kaff mit 5-er Schiffspäckle eintauchen. Da haben wir mit unserer Bucht neben Saltholmen die bessere Wahl getroffen. Nur der Nord-Wind zerrt am Anker und später zieht ein Gewitter durch, das den Himmel und die Felsen nacheinander in allen Farben leuchten lässt.
Do 13. Juli – Vettnet (Nord-Koster) – Ursholmen (Süd-Koster)
….Wir segeln ohne Welle in den geschützten Schärengärten und können schon von weitem die zwei Leuchttürme von Ursholmen sehen – wir müssen allerdings noch durch ein Labyrinth aus Felsen – auf einem davon räkeln sich zahlreiche Robben. Wir segeln eine große S-Kurve, schleichen uns erst von Osten an, dann von Norden zur einzig möglichen Einfahrt zwischen den Steinen. Wo es genau reingeht, sieht man erst auf den allerletzten Augenblick. Zum Überblick fährt das Kursdreieck auf der Seekarte mit – die Feinsteuerung geht nur mit dem Plotter. Nie wären wir da sonst reingesegelt! Nach dem Einprägen der Untiefen im Kolk zwischen Innre und Yttre Ursholmen kommt der Plotter weg - die Segel runter – der Motor an – Lücke am Fels peilen, - Anker im Abstand 25m + Bootslänge fallen lassen – Einbremsen und Landverbindung an Felshaken herstellen. Die Insel ist in vieler Hinsicht extrem faszinierend und zusammen mit Nord-Koster das Highlight der Reise! Die wollsackverwitterten Gneisfelsen mit Schleifspuren aus der Eiszeit, die dunklen Diabas-Streifen mit Zerfall in Riesen-Würfel, die tiefen Schluchten, die „Bolderfields“ mit runden Steinen aus Oslo, die Hofsiedlung mit den Kartoffel-Stein-Iglu-Mauern. Als Krönung auf der Aussichtshöhe die Leuchttürme – extra doppelt, damit man sie als einzigartig erkennt. Draußen, außerhalb der Schärengärten hat sich die Dünung im Skagerrack aufgebaut. Die äußeren Felsen bekommen die volle Breitseite ab und gischten – ein gigantischer Ausblick bis an die lange norwegische Küstenlinie!
Di 18. Juli – Kungshamn - Rörö
….Wir sind nicht die einzigen, die zwei Tage eingeweht waren und jetzt wegen der alten Nordseewelle innen durch die Schären wollen. Es geht teilweise zu, wie auf der Autobahn – mit rücksichtsvollen und auch -losen Motorbratzenfahrern. superinteressante Strecke, die aber volle Konzentration erfordert. Die höchste Stufe im Plotter ist nötig, um zu entscheiden, welcher Fels wo umsegelt wird – da geht leicht der Überblick verloren – es geht hier viel zu schnell, aber mit Glück bleibt alles heil. Auf dem offenen Seestück nach Marstrand segeln wir mit der alten Welle mindestens Rumpfgeschwindigkeit.
Fr. 21. Juli – Læsø - Bønnerup
Kaum sind die Tücher oben, fängt es wieder an zu Pissen – wir haben eine weite Strecke hart am Wind vor uns und der Wetterbericht sagt 8 - 10 m/s Richtung Süden nachlassend voraus, das sind 5 Bft. Daher der Fehler mit Vollzeug – hätten wir nur...Der Wind alleine wäre ja gar kein Problem – Böen mit 7 - 8 Bft gehen auch mit weggetrimmten Segeln, aber die Brecher gehen jetzt immer wieder über alles drüber und sind auf die Dauer zermürbend. Das Schiebeluk würde auch bei einem Strahl aus dem Feuerwehrschlauch nicht mehr abdichten. Das Salzwasser läuft an der Leedecke über`s Schwalbennest auch in meine nach vorne gerückte Matratze. Dann 2 mal hintereinander ein lauter Knall und das Achterliek vom Groß klingt mit 2 Segellatten weniger wie ein Hubschrauber. Ich muss es etwas dichter nehmen, damit es nicht zerfetzt – das gibt aber einen Ruderdruck, bei dem ich fürchte, dass die Pinne bricht. Mit dem Sturmgroß wäre alles besser...Ich kann auch nicht weg von der Pinne, weil ich sonst sofort das Kotzen kriege. Also stoisch über Stunden – zig Stunden durchhalten. Seeleute müssen geduldig und zäh sein! Die physische und psychische Anstrengung ist sehr groß – wenn was kaputt geht, haben wir ein massives Problem. Alles hält aber und als die Windmühlen von Bönnerup in Sicht kommen, nimmt die Windstärke und die Wellenhöhe ab – wir telefonieren mit der Besatzung vom Wassermann – die haben wegen der Untiefen über 70 sm geloggt und kommen ¼ Std. später an. Der Hafen ist genial – 2 Vorbecken zum Segelbergen, 2 weitere Einfahrtsbuhnen und dann erst die Steganlage (da hat es wohl öfters Wind). Vor dem Abendessen noch die notwendigsten Drainagearbeiten – wir sind nach über 11 Stunden völlig erschöpft. Trotz mehrfachem Auspumpen der Bilge unterwegs ist nicht nur das Gemüsefach, sondern auch das Batteriefach eben voll mit Salzwasser – das Ladegerät ist gehimmelt. Jetzt läuft unser Elektro- „Öfele“ auf Vollgas.
Mi. 28. Juli – Lindau - Nonnenhorn
Nach dem Einkranen in Lindau am Bodensee will mein 81-jähriger Vater trotz Starkwindwarnung wie immer mit zum Heimathafen Nonnenhorn. Wir segeln waschbord, spitzen mit dem Bug in die zu kurzen Wellen ein, die Gischt spritzt über`s Deck und Horst fragt, wozu wir denn an`s Meer fahren. Vielleicht lassen die Bilder den Grund erahnen.
Bernd Miller
F GER 998 Kleiner Blaupfeil
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Nordic Folkboat